Homelab & Server
Deine Daten auf deinem Server. Deine Fotos, deine Passwörter, dein Kalender, dein Medien-Archiv – alles unter deiner Kontrolle. Self-Hosting ist einfacher als du denkst und mächtiger als jeder Cloud-Dienst.
Warum ein eigener Server?
Google Drive, iCloud, Dropbox, Google Photos, Spotify, 1Password – alles bequem, alles „kostenlos". Bis du die Nutzungsbedingungen liest. Deine Fotos werden analysiert. Deine Dokumente durchsucht. Dein Kalender ausgewertet. Der Preis der Bequemlichkeit ist deine Privatsphäre – und deine Abhängigkeit von Diensten, die jederzeit ihre Preise erhöhen, Funktionen streichen oder einfach abgeschaltet werden können.
„Ein Mini-PC für 150 € ersetzt Google Drive, iCloud, Netflix, Google Photos und deinen Passwortmanager – und keiner liest deine Daten."
Ein Homelab gibt dir die Kontrolle zurück. Du entscheidest, wo deine Daten liegen, wer Zugriff hat und wie lange sie gespeichert werden. Strom kostet ein paar Euro im Monat. Dafür gehört dir alles – die Software, die Daten, die Infrastruktur.
Der Einstieg kann klein beginnen: Ein alter Laptop im Keller, ein Raspberry Pi, ein gebrauchter Mini-PC. Darauf läuft Nextcloud statt Google Drive, Jellyfin statt Netflix, Vaultwarden statt 1Password, Immich statt Google Photos. Schritt für Schritt baust du eine digitale Infrastruktur auf, die dir gehört.
Welche Plattform passt zu dir?
Fertige Geräte mit eigenem Betriebssystem. Einfachster Einstieg – anschließen, einschalten, fertig. Viele Apps vorinstalliert. Eingeschränkte Kontrolle über das System, abhängig vom Hersteller-Ökosystem.
Die Königsklasse des Home-Servers. Proxmox läuft auf deiner Hardware und erlaubt es, beliebig viele virtuelle Maschinen und leichtgewichtige Container (LXC) parallel zu betreiben. Ein Server, viele isolierte Systeme. Kostenlos, open source, enterprise-ready.
Das Open-Source-NAS-Betriebssystem. Einfacher als Proxmox, mehr Kontrolle als Synology. Basiert auf Debian, bietet ein Web-Interface für Dateifreigaben, Docker-Support via Plugin und klassische NAS-Funktionen. Ideal als Einstieg in Linux-Server.
Sehr beliebt in der Homelab-Community. Kombiniert flexibles Storage-Management (gemischte Festplattengrößen möglich), VM-Support und Docker-Integration. Einsteigerfreundliches Web-UI. Kostet einmalig ca. 50–130 $.
NAS-Betriebssystem in Rechenzentrums-Qualität auf Basis von Debian und ZFS. Gilt als das zuverlässigste Dateisystem der Welt – mit Selbstheilung, Snapshots und Replikation. TrueNAS Scale ergänzt das mit Kubernetes-Support und Apps. Ideal, wenn Datenintegrität oberste Priorität hat.
Der Proxmox-Stack
Auf einem Proxmox-Server laufen alle Dienste isoliert in eigenen LXC-Containern oder Docker-Instanzen. Das Ergebnis: ein einziger stromsparender Mini-PC ersetzt ein halbes Dutzend Cloud-Abonnements. Hier sind die Dienste, die ich empfehle – als solider Ausgangspunkt für deinen eigenen Stack.
Netzwerkweiter DNS-Blocker der neuesten Generation. Filtert Werbung, Tracking und Malware-Domains für alle Geräte im Heimnetz. Unterstützt verschlüsseltes DNS (DoH, DoT, DoQ) nativ – ohne Extra-Dienst. Läuft als einzelne Binary mit ~50 MB RAM, cleaner Web-UI inklusive.
adguard.com/adguard-home ↗Dein persönliches Streaming-Center. Verwalte Filme, Serien und Musik auf deinem Server und streame sie auf Fernseher, Browser, Smartphone – komplett ohne Abo, ohne Algorithmus, ohne Werbung.
jellyfin.org ↗Leichtgewichtige, Bitwarden-kompatible Passwortmanager-Implementierung. Alle Passwörter auf deinem Server, alle Clients (Browser, Smartphone) synchronisiert. Open source, kein Cloud-Anbieter, kein Abo.
github.com/dani-garcia/vaultwarden ↗Die kompletteste Self-Hosting-Lösung: Dateisync, Kalender, Kontakte, Notizen, Videokonferenzen, Office – alles in einem. Nextcloud-Clients laufen auf allen Plattformen und synchronisieren nahtlos.
nextcloud.com ↗Die umfassendste Open-Source-Hausautomations-Plattform. Unterstützt über 3.000 Integrationen (Zigbee, Z-Wave, Matter, MQTT u.v.m.), lokale Automatisierungen ohne Cloud und native HomeKit-Unterstützung. Der Standard in der Self-Hosting-Community.
home-assistant.io ↗Open-Source-Firewall und Router-Betriebssystem. Läuft als VM auf Proxmox und übernimmt die Netzwerkverwaltung: Firewall-Regeln, VPN, VLAN-Segmentierung, IDS/IPS. Maximale Kontrolle über dein Heimnetz.
opnsense.org ↗Moderner Foto- und Video-Backup vom Smartphone auf deinen Server. Mit KI-gestützter Gesichtserkennung, Karten-Ansicht und automatischen Alben. Die Oberfläche fühlt sich wie Google Photos an – nur gehört dir alles.
immich.app ↗„Read it later"-App zum Selbsthosten. Speichere Artikel aus dem Web auf deinem Server, lese sie später offline – ohne Werbung, ohne Tracking, ohne Cloud-Abo. Browser-Extension und Mobile-Apps verfügbar.
wallabag.org ↗Alternative: Karakeep – moderner Ansatz mit KI-Tagging, OCR und Video-Archivierung via yt-dlp.
Moderner CalDAV/CardDAV-Server für Kalender und Kontakte – der zeitgemäße Nachfolger von Baïkal. Gleiche sabre/dav-Basis, aber mit frischem Symfony-Framework und übersichtlicherem Admin-UI. Leichtgewichtig, stabil, keine Cloud nötig. Synchronisiert mit allen Kalender-Apps auf iOS, Android, macOS und Linux.
github.com/tchapi/davis ↗Hinweis: Wer bereits Nextcloud betreibt, braucht Davis nicht – Nextcloud bringt CalDAV/CardDAV von Haus aus mit.
3 Kaufempfehlungen
Der perfekte Einstieg. Der Intel N100 ist extrem stromsparend (~6–10 W unter Last) und trotzdem kräftig genug für Pi-Hole, Jellyfin, Vaultwarden und Nextcloud gleichzeitig. Geräuschlos, kompakt, zuverlässig.
- Intel N100 (4 Kerne, effizient)
- 16 GB DDR5 RAM
- 500 GB NVMe SSD
- 2× USB-A, 2× HDMI, 2,5-GbE-LAN
- ca. 6–10 W Leistungsaufnahme
Tipp: Externe USB-Festplatte oder NAS für Medienspeicher ergänzen.
Für den vollständigen Stack mit OPNsense-VM, Immich mit KI-Funktionen und mehreren gleichzeitigen Jellyfin-Streams. Der Ryzen 5 hat genug Reserven für Transcoding und KI-Inferenz.
- AMD Ryzen 5 5560U (6 Kerne / 12 Threads)
- 32 GB DDR5 RAM
- 1 TB NVMe SSD
- WiFi 6 + 2,5-GbE-LAN
- ca. 15–25 W Leistungsaufnahme
Ideal für den kompletten Proxmox-Stack aus dieser Liste.
Gebrauchte Business-Workstations von Dell (OptiPlex) oder HP (EliteDesk) bieten das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Oft mit i5/i7, ECC-RAM-Option, mehreren PCIe-Slots und langer Ersatzteil-Verfügbarkeit.
- Intel i5 / i7 8.–11. Gen (je nach Modell)
- 32–64 GB RAM erweiterbar
- PCIe-Slots für Netzwerkkarte / HBA
- Kleine Micro-Form-Factor Variante empfohlen
- Langfristig günstige Ersatzteile
Tipp: eBay Kleinanzeigen, Refurb-Händler oder Corporate-Auktionen. Auf ausreichend RAM-Slots und PCIe achten.